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24.04.2014 - Nach der Havarie im Tunnel Königshainer Berge: Sanierungskonzept für Umleitungsstrecken vorgestellt

Die Bundes- und Staatsstraßen auf den Umleitungsstrecken, die während der Vollsperrung der Tunnelröhre Königshainer Berge in Fahrtrichtung Polen ausgeschildert waren und stark beansprucht worden sind, werden ab jetzt saniert. Die Instandsetzung der an den ausgeschilderten Umleitungsstrecken U5 sowie über die S111 und B6 entstandenen Schäden leistet das Landesamt für Straßenbau und Verkehr in eigener Zuständigkeit. Im Rahmen einer gemeinsamen Informationsveranstaltung mit Landrat Bernd Lange und den Bürgermeistern der betroffenen Städte und Gemeinden sowie Vertretern des Sächsischen Staatsministeriums für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr wurde heute in Dresden der Entwurf für ein Sanierungskonzept vorgestellt und erläutert.

Betrachtet und als sanierungsbedürftig eingestuft worden sind in Teilen folgende Abschnitte:

NÖRDLICH A4 (Bedarfsumleitung U5)

• S 122 zwischen AS Nieder Seifersdorf und Ortslage Nieder Seifersdorf
• Knotenpunkt B 115 und S 122 bei Niesky
• B 115 Ortslage Kodersdorf

Den Auftakt zur Sanierung der Umleitungsstrecken bildet die bereits in diesem Jahr geplante Sanierung der S 122 in der Ortslage Nieder Seiferdorf. Auf der Staatsstraße S 122 soll getrennt in vorläufig drei Bauabschnitten in den Jahren 2014/2015 die Deckschicht und teilweise auch die Binderschicht im Abschnitt zwischen der Kreuzung mit der B 115 südlich Niesky und der Anschlussstelle der A 4 Nieder Seifersdorf erneuert werden. Für den noch 2014 zu realisierenden Teilabschnitt ist die Strecke zwischen der Arnsdorfer Straße in Nieder Seifersdorf und der südlichen Einmündung der Schulstraße in Jänkendorf in die S 122 vorgesehen. Für diesen rund 3,7 Kilometer langen Bauabschnitt muss mit einer Gesamtbauzeit von ca. vier Wochen gerechnet werden, beginnend voraussichtlich ab Mitte August 2014. Im Jahr 2015 sollen dann der nördlich und südlich angrenzende Abschnitt in gleicher Weise ausgebaut werden.

SÜDLICH A4 (Zusatzumleitung)

• Anschlussstelle Weißenberg über die S 55, S 112 und S 111 bis zur Kreuzung mit der S 122
• S 122 ab Anschlussstelle Nieder Seifersdorf S 122 bis zur Kreuzung mit der S 111
• Kreuzung S 111/S 122 über die S 111 und B 6 bis zur Kreuzung mit der B 115
• B 115 bis zur Anschlussstelle Kodersdorf

Zusätzlich wird in diesem Jahr noch die Rampe der A4-Anschlussstelle Görlitz zum Kreisverkehr B6/B115 erneuert (erfolgt im Zuge der ohnehin ab September 2014 geplanten Errichtung des Kreisverkehrs).

Rechtzeitig vor der Erstellung der Bauprogramme für 2015/2016 soll das Konzept für die weiteren Sanierungsvorhaben fertiggestellt und mit den betroffenen Gemeinden und Landkreisen abgestimmt sein, um eine Einordnung sicherstellen zu können, ebenso wie eine koordinierte Umleitungsplanung für die Folgejahre.

Das Landesamt für Straßenbau und Verkehr rechnet nach den gegenwärtigen Erkenntnissen mit Sanierungskosten in Höhe von mehr als 6 Millionen Euro für die Bundes- und Staatsstraßen auf den Umleitungsstrecken, die während der halbjährigen Vollsperrung der Tunnelröhre Königshainer Berge in Fahrtrichtung Polen ausgeschildert waren und durch das hier angefallene Autobahnverkehrsaufkommen stark beansprucht worden sind.

MAßNAHMEN ZUR OPTIMIERUNG

Parallel zur Planung und Durchführung des Sanierungskonzeptes arbeitet das Landesamt für Straßenbau und Verkehr an einem Massnahmenpaket zur Optimierung beider Umleitungsrouten, um im erneuten Bedarfsfall insbesondere an den Knotenpunkten eine bessere Leistungsfähigkeit des Netzes zu erzielen. Stauereignisse sollen verhindert und die Flüssigkeit des Verkehrs aufrechterhalten werden. Hierfür sind weitere Abstimmungsrunden mit den betroffenen Landkreisen und Gemeinden erforderlich.

SCHLEICHWEGE

Trotz der offiziellen Umleitungen wurde auch das übrige Straßennetz in kommunaler Baulastträgerschaft durch ein zusätzliches Verkehrsaufkommen stark belastet. Auch hier ist die Beseitigung der durch die Umleitung verursachten Schäden dringend erforderlich. Der Freistaat Sachsen unterstützt die Instandsetzung / Erneuerung der geschädigten kommunalen Straßen finanziell über die Richtlinie des SMWA für die Förderung von Straßen- und Brückenbauvorhaben (RL-KStB). Vorabstimmungen zur Förderantragseinreichung sowie zu den Fördervoraussetzungen und zum Fördersatz sind bereits zwischen dem SMWA und den betroffenen Kommunen erfolgt.

PRÜFAUFTRAG TUNNELUMRÜSTUNG

Das Sächsische Staatsministerium für Wirtschaft, Arbeit und Verkehr hatte das Landesamt für Straßenbau und Verkehr deshalb beauftragt, ergebnisoffen eine Ertüchtigung des Tunnels zu prüfen, die in einem erneuten Havariefall eine vorübergehende Nutzung der verbleibenden, intakten Tunnelröhre für beide Fahrtrichtungen ermöglicht oder entsprechende Alternativen aufzuzeigen. Durch das Landesamt für Straßenbau und Verkehr wurden verschiedene Varianten für den Um-/Neubau der Tunnelröhren überschlägig geprüft. Demnach würden hierfür Kosten zwischen 100 und 240 Millionen Euro für entsprechende Baumaßnahmen anfallen. Ebenfalls wurde eine alternative, zusätzliche Umgehungsstraße für den Tunnel geprüft, die neben hohen Kosten von etwa 75 Millionen Euro wegen eines parallelen Verlaufs zur Autobahn aber durch den Bund nicht genehmigungsfähig sein dürfte. Die sächsische Straßenbauverwaltung arbeitet treuhänderisch mit den Mitteln des Steuerzahlers in der Auftragsverwaltung nach den Regeln des Bundes. Für Straßenbauprojekte des Bundes gelten hohe Anforderungen insbesondere z. B. an Verkehrsbedarfe, denen keine der geprüften Varianten zur Entlastung der Bevölkerung entlang der Umleitungsstrecken entsprechen kann.

Mit dem Bau der A4-Ost hatte der Freistaat Sachsen die Landkreise Bautzen und Görlitz vom Transitverkehr wirksam entlastet. Obwohl diese Autobahn aktuell nicht dem vom Bund geforderten Verkehrsaufkommen bzw. alten Prognosen entspricht, ist eine leistungsfähige Bundesautobahn unverzichtbar für eine gute Infrastruktur und Lebensqualität in Ostsachsen. Spätestens mit der mehrmonatigen Umleitung nur einer der beiden Fahrtrichtungen in das nachgeordnete Netz dürfte diese Gewissheit über Zweifel erhaben sein.

HINTERGRUND I

Der Tunnel Königshainer Berge ist nicht für Zweirichtungsverkehr je Tunnelröhre konzipiert und gebaut. Die Fluchtwege, Nothaltebuchten, Beschilderungen, Licht- und Lüftungsanlagen sind Bestandteile eines komplexen Sicherheitssystems und nur für eine Fahrtrichtung je Tunnelröhre ausgelegt. Eine Umrüstung insbesondere der Lüftungsanlagen im Bestand ist nicht möglich. Auch das Gefahrenpotential durch ein mehrere Kilometer langes striktes Überholverbot und fehlende Ausweichmöglichkeiten etwa bei liegengebliebenen Fahrzeugen müssen als großes Sicherheitsrisiko betrachtet werden. Höchste Priorität hat zudem die Sicherung ausreichender Selbst- und Fremdrettungswege, beispielweise bei einem schweren Unfall. Mit einer Spur je Fahrtrichtung in einer Röhre käme es hier zu einem beidseitigen Stau, der eine Zufahrt für Rettungsfahrzeuge nicht mehr ermöglicht. Auch die Selbstrettung würde durch unübersichtliche Mehrfach- Fluchtwegbeschilderungen zusätzlich erschwert.

HINTERGRUND II

Mit Rückblick auf folgenschwere Tunnelunfälle der vergangenen Jahre vor allem im Alpenraum ist generell davon auszugehen, dass die Gefährdungswahrscheinlichkeit bei Tunneln, die im Gegenverkehr betrieben werden bzw. zum Unglückszeitpunkt wurden, deutlich höher ist, als bei Tunneln mit Fahrtrichtungstrennung:
• Montblanc-Tunnel, Frankreich-Italien (Unglück 1999, 39 Tote)
• Tauerntunnel, Österreich (Unglück 1999, 12 Tote)
• Gotthardstraßentunnel, Schweiz (Unglück 2001, 11 Tote)
• Gudvangatunnel, Norwegen (Unglück 2013, 80 Verletzte)

Für die Bausubstanz vergleichbar folgenreiche Havarien wie der Lkw-Brand im Tunnel Königshainer Berge sind bundesweit nicht bekannt, weshalb neue kaum zu erwarten sind.  

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Pressekontakt

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Isabel Siebert, Pressesprecherin und Bürgerbeauftragte

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